Kennst Du den Seiltänzertraum?

Lang, lang ist es her, dass hier ein Lebenszeichen erschien. Nun ist es allerdings keineswegs so, dass ich seitdem nichts geschrieben hätte – im Gegenteil war es eher zu viel. Inzwischen habe ich fünf oder sechs Versionen des nie erschienenen News-Eintrages geschrieben und ebensoviele wieder verworfen. Was soll man auch schreiben, in einer Zeit, in der der Tod eines Zoobären vielen meiner Mitmenschen näher ging, als der Tod zehntausender Menschen in Japan. In einer Zeit, in der libysches Öl immer noch höchst willkommen ist, aber 25.000 nord-afrikanische Flüchtlinge zu einer Welle hochstilisiert werden, die unser ach-so-zivilisiertes Europa zu überschwemmen droht. Habe ich wirklich einen klugen Gedanken hinzuzufügen, wo scheinbar alles schon mehrfach gesagt wurde?

Denn geredet wurde nach der Naturkatastrophe in Japan wirklich viel. Oftmals sogar dann, wenn man nichts zu sagen hatte. Die wenigen Informationen, die direkt nach dem Erdbeben tatsächlich vorlagen, wurden auf allen Sendern synchron verwaltet, zerkaut und immer wieder bedeutungsschwer von wirklichen und selbsternannten Experten wiederholt. Jeder Meteorologe, der zufällig im Studio herumlungerte und vor die Kamera gezerrt wurde, um die Windsituation um das Kernkraftwerk zu erläutern, fühlte sich plötzlich berufen sich zu technischen Fragen der Atomsicherheit zu äußern. Einzig Ranga Yogeshwar kämpfte einen ebenso einsamen, wie aussichtslosen Kampf gegen Geplapper und reißerische Darstellungen. Was neben all diesem Gewäsch letztlich blieb, war die Katastrophe in Echtzeit. Distanziert, gleichsam surreal, voyeuristisch. Reizüberflutet von den Bildern vom Erdbeben, den Bildern des Tsunamis und schließlich weiteren Bildern der Explosionen im Krafwerk Fukushima Daiichi – und dennoch mittendrin im quälenden Informationsdefizit saß ich vor dem Fernseher und fühlte mich an den 11. September 2001 erinnert. Ein bisschen weniger Sensation, ein nicht gesendetes Handyvideo und etwas mehr Zurückhaltung hätten der Informationskultur dieser Tage sehr gut zu Gesicht gestanden.

Für mich persönlich waren die letzten Monate vor allem eine nicht ganz billige Zeit. Mein Fahrrad wurde mit neuen Reifen, einem Sattel und Beleuchtung wieder fit gemacht und auch ein passender Helm zierte schon bald meinen Kopf. Damit ging dann die wilde Fahrt in Richtung Bikinifigur ab. Erwartungsgemäß kam ich so gerüstet ziemlich genau bis zur nächsten Schiene, in der ich mein Vorderrad sachgemäß verkantete. Zum Glück ging dabei außer Haut nicht viel kaputt und inzwischen bin ich wieder unterwegs. Die Herausforderung lautet bis zum 01. Juli 2011 eintausend Kilometer in den Beinen zu haben. Es bleibt spannend.
Auch eine neue Brille war wieder einmal fällig, aber zu meiner eigenen Überraschung war das nicht der größte Kostentreiber. Die Brillenversicherung meiner alten Brille sprang ein, obwohl ich es nicht erwarten durfte und so musste ich letztlich nur ein Viertel der neuen Brille zahlen. Damit das gute Geld nicht etwa Schimmel oder (schlimmer noch!) Zinsen auf dem Konto ansetzt, habe ich allerdings schnell reagiert und mir neues Spielzeug gekauft. Im Gleichschritt mit Karsten beendete ich mein monatelanges Abwägen und rang mich durch, meiner Kamera ein neues Standardobjektiv zu gönnen. Lichtstark sollte das Neue sein und natürlich einen ausreichend großen Zoombereich aufweisen, um als „always on“-Objektiv zu dienen. In Frage kamen für mich zwei Objektive von Tamron und meine Wahl fiel letztlich auf das Tamron AF 28-75mm 2,8 XR DI LD ASL SP Macro. Das gute Wetter vom Wochenende machte es möglich ein bisschen in der freien Natur mit der Neuerwerbung zu experimentieren. Erwartungsgemäß fehlt mir der Bereich von 18-27 mm Brennweite hin und wieder, aber der hinzugewonnene Bereich von 55-75 mm Brennweite macht dies bisher mehr als wett und ich bin höchst zufrieden mit dem Objektiv.

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Neben dem Objektiv ist mir (natürlich) noch mehr Spielzeug zugelaufen. Bei Amazon.de waren zufällig wieder einmal alle „Absolute Sandman“-Bücher lieferbar und diesmal habe ich endlich zugeschlagen. Die vier Bücher waren zwar nicht ganz billig, aber die Qualität von Aufmachung und Druck lässt das schnell vergessen. Außerdem erfreue ich mich gerade an „Bulletstorm“, „Portal 2“ und verfluche die Midweek Madness und den Daily Deal bei Steam – so viele gute Spiele, so wenig Zeit.

Noch einmal danken möchte ich all jenen, die am 9. April meinem Ruf folgten und eine weitere erfolgreiche Reise rund um die Sonne mit mir feierten. Besondere Erwähnung verdient Andreas, ohne den ich die Organisation ganz sicher nicht geschafft hätte!

Am 15. April sahen Karsten, Roman und ich Dritte Wahl im Conne Island in Leipzig. Supported wurde die Band von den erfrischenden „Stattmatratzen“ aus Berlin, die uns allen viel Spaß bereiteten und „Kotzreiz“ (ebenfalls aus Berlin), deren Mischung von Spaß- und Poserpunk allerdings nicht recht zünden wollte. Wie man es besser macht, zeigten dann einmal mehr Dritte Wahl. Nicht weniger als zweieinhalb Stunden wurde so heftig gehüpft, geschrien und gepogt, dass Karsten und ich uns schon bald mit ersten Abnutzungserscheinungen in eine etwas ruhigere Ecke mit exzellenter Sicht auf Bühne Publikum zurückziehen mussten. Mehr gute Musik und mehr Einsatz für’s Geld bekommt man wohl nirgens geboten!

Enden soll dieser Post mit Kopfschütteln. In einer Radioshow anlässlich des 100. Weltfrauentages hörte ich eine Aussage, die mir wieder einmal eine Zeile aus Konstantin Weckers Lied „Willi IV“ in Erinnerung rief: „Das Land ist geistig und sprachlich nicht mehr wieder zu erkennen.“
In besagter Show diskutierte eine höchst engagierte Runde von Frauenrechtlerinnen gerade darüber, dass es leider immer noch nicht selbstverständlich sei, dass Männer in Kindergärten als Erzieher tätig sind (Natürlich sind auch daran Männer schuld!). Eine Diskussionsteilnehmerin sagte in vollem Ernst und höchst emotional: „Wir müssen uns doch einmal anschauen, warum in diesen Berufen fast nur als Frauen wahrgenommene Menschen arbeiten.“ Stop! Wie bitte? Hatte sie wirklich gerade „als Frauen wahrgenommene Menschen“ gesagt?!? Reichen Gendering und Binnen-I nicht mehr aus? Muss der politisch korrekte Mensch nun auch aufpassen, keinerlei sexuelle Identitäten verbal über einen Kamm zu scheren? Man mag dies bejahen. Ich warne allerdings davor, dass auch diese Formulierung schon bald von gelangweilten, streitsüchtigen Möchtegern-Amazonen angefochten werden wird, weil sie weitere Diskriminierungen enthält. Daher schlage ich vor, die Worte „Mann“ und „Frau“ zumindest in der Schriftsprache wie folgt zu ersetzen: „Als Frau-Mann wahrgenommene Menschen jedweder tatsächlichen und/oder wahrgenommenen Abstammung, Religion, sexuellen Orientierung und Identität, unabhängig von Aussehen, Stellung und Vermögen“. Im nächsten Schritt beenden wir dann die untragbare Praxis der Bevorteilung von Bildung, Wissen und Leistung und führen eine Idiotenquote Minderleisterquote in allen Berufen ein. Ja, das Land ist geistig und sprachlich nicht mehr wieder zu erkennen…

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