Ausgespielt

Der letzte Post hier ist nun schon mehr als ein Jahr alt und wenn mich nicht alles täuscht, wird sich das auch in Zukunft nicht mehr grundlegend ändern. Der 5. Geburtstag von WoW in eXcess, der Fall Lichkönigs, ein neues Addon… all diese Dinge kamen und gingen, im Blog herrschte jedoch gespenstische Stille.

Für mich ist das ein Zeichen, dass sich etwas grundlegend geändert haben muss. Die Generation engagierter Spieler um Marcus, Ronny und einige Andere ist nahezu geräuschlos in den Ruhestand oder Altersteilzeit gegangen und Nachwuchs ist nicht in Sicht. Wo sind die Theorycrafter, die Spaß an Optimierung und Entdeckung hatten? Wo bleiben die Forenposts mit immer neuen Skillungsvarianten? Gewiss, noch bemühen sich Einige den Status quo halbwegs aufrecht zu erhalten und zumindest in Raidinstanzen die historisch gewachsenen Ansprüche zu erfüllen, aber auch deren Nervenkostüm ist offenbar nicht grenzenlos belastbar.

Nun wäre es leicht mit dem Finger auf Blizzard zu zeigen und das Aus- und Wegbleiben von Spielern auf das Spiel selbst zu schieben, aber ich denke nicht, dass es tatsächlich so einfach ist. Objektiv ist das Spiel in seiner Gesamtheit heute besser denn je und ein wenig beneide ich diejenigen Spieler, die erst vor kurzem begonnen haben, die World auf Warcraft zu erforschen. Interessante Questreihen, ein trotz immer wieder auftretender Krisenherde überraschend gelungenes Balancing und extrem ausgefeilte Bosskämpfe lassen das hochgelobte Vanilla-WoW wie einer ferne Karikatur erscheinen.

Andererseits werden diese Spieler wohl nie mehr erfahren, wie unglaublich befriedigend es sich anfühlt, sich zusammen mit vier Freunden Stunde um Stunde durch die Schwarzfelstiefen zu kämpfen und schlußendlich dem
Imperator ordentlich auf die Mütze zu geben. Die Spieler haben Fast Food gefordert und bekommen. Objektiv betrachtet ist dieses Fast Food zwar gut bekömmlich, gesund und zumindest größtenteils auch durchaus lecker, aber es macht leider nicht dauerhaft satt. Der Dungeonbesuch ist auf das Betreiben der Spieler hin zur perfekt konsumierbaren Dutzendware geworden, die vom Dungeonbrowser zusammengewürfelten Begleiter unterscheiden sich nicht mehr wahrnehmbar von seelenlosen NPCs. Dabei waren es doch gerade die sperrigen, die unbequemen und manchmal sogar die unzumutbaren Aufgaben, die uns in Erinnerung blieben. Der Triumph ein episches Reittier in einer absolut sinnlosen Tortur errungen zu haben. Mit zwanzig Elixieren gebufft und in ewig erfarmte Ausrüstung gehüllt Ragnaros nach Monaten(!) des Wipens doch noch zu besiegen. Die ewigen Versuche eines Timeruns in Zul’Aman – die Liste ließe sich nahezu beliebig erweitern. Aber welche Momente blieben von Wrath of the Lich Kind oder Cataclysm haften?

Nachdem wir im letzten Jahr den Lichkönig besiegt hatten, blitzte dieser alte Ehrgeiz noch einmal bei mir auf. Mit der Truppe schien die Mehrheit der Hardmodes machbar und besonders die nahezu perfekte Harmonie der beiden Aushilfsheiler Egwene und Felbion machte mir unheimlich viel Spaß, weil ich absolutes Vertrauen in Sandras Leistung hatte (und sie wohl auch in meinen Anteil). Ich hatte wieder das Gefühl etwas (im Rahmen des Spieles) Schweres gemeistert zu haben und wollte mehr. Und dann passierte das, was mir persönlich den Spaß am Raiden mit WoW in eXcess wohl für immer verdorben hat. Die Anmeldungen brachen weg, wir waren schon froh ab und an wieder mal den Lichkönig zu sehen, von Hardmodes konnte keine Rede sein. Meine Ansprüche waren nicht länger zu denen der anderen Gildenmitglieder kompatibel. Der für mich erste Schritt war den Meisten schon genug. Ich denke jeder weiß, wie tief ich in dieser Gilde verwurzelt bin und wie stark die Bindungen zu vielen von Euch im Laufe der Jahre geworden sind. Ich werde WoW in eXcess nicht mehr verlassen, aber ich werde unter diesen Bedingungen auch nie wieder so viel Zeit und Herzblut investieren. Ich habe reagiert und meine Spielweise umgestellt. Mal findet man mich beim Angeln, mal auf der
Hatz nach einem neuen Reittier und hin und wieder mal in einem Dungeon, aber für die Gildenraids gilt für mich: Ganz oder gar nicht. Und Ersteres funktioniert nicht mehr.

In diesem Sinne: Alles Gute zum sechsten Geburtstag WoW in eXcess! Mein Wünsche für das verflixte siebente Jahr sind recht einfach: Werdet Euch gemeinsam darüber klar, wie viel Kraft, Zeit und Lust ihr in das Spiel
investieren wollt und steckt Euch entsprechende, realistische Ziele. Und bitte erwartet nicht von Wenigen, dass sie die Bespaßungsmaschinen sind, die für Euch wesentlich mehr Einsatz leben, als ihr selbst zu bringen bereit seid. Um dauerhaft Spaß und Befriedigung aus dem Spiel ziehen zu können, sollten wir uns entweder konsequent mit dem bescheiden und an dem erfreuen, was uns gleichsam im Vorbeigehen in die Taschen fällt oder ebenso konsequent gemeinsam Kraft und Zeit einbringen.

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